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1. Sonntag nach Trinitatis – 06. Juni 2021

Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

Lukas 10,16

Oft habe ich gehört, dass Kirche unabhängig von Personen sei. Es sei Unfug, wenn Menschen nur zu bestimmten Pfarrern oder Pfarrerinnen in den Gottesdienst gingen. Der Ritus sei der gleiche und Gott könne uns in jeder Predigt etwas zusprechen, das für unser Leben von Bedeutung sei, sofern wir uns nicht dagegen sperrten. Das ist sicher richtig.

Dennoch haben die meisten von uns im Alltag die Erfahrung gemacht, dass zwei Menschen uns das Gleiche sagen können, wir es aber völlig unterschiedlich aufnehmen. Nehmen Sie die Frage: „Warum hast du das so und so gemacht?“ Von freundlichem Interesse bis zu deutlicher Kritik kann alles in dieser Frage stecken. Wie Sie sie verstehen und beantworten, ob Sie sich kritisiert, kontrolliert oder anteilnehmend begleitet fühlen, hängt ganz wesentlich davon ab, in welcher Beziehung Sie zu dem oder der Fragenden stehen und welche Haltung Sie hinter der Frage des Gegenübers vermuten. Es macht also doch einen Unterschied, wer etwas sagt.

Christus spricht zu seinen Jüngern: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Wir sind die Nachfolgerinnen und Nachfolger dieser Jünger. Dass uns zugehört wird, ist die Voraussetzung dafür, dass Christus in unserer Welt Gehör finden kann. Das gilt für die ehrenamtlichen Lektorinnen und Prädikanten hin zu den Kirchenvorständen über die Mitglieder des Besuchsdienstkreises bis hin zu uns Pfarrerinnen und Pfarrern (um nur drei Gruppen zu nennen, alle Aktiven sind gemeint). Wir finden vor allem dann Gehör, wenn wir zu uns selbst und unserem Glauben und unseren Zweifeln stehen. Denn noch bevor wir den Mund öffnen, spürt unser Gegenüber unsere Haltung. Deshalb ist es für unsere Kirche und noch viel wichtiger für die Botschaft Jesu entscheidend, ob wir als Christinnen und Christen echte Menschen mit positiver Ausstrahlung sind und ob das, was wir sagen und tun, von Herzen kommt. Dabei müssen wir weder fehlerfrei noch sündlos sein. Wir sind Menschen mit Seele, Herz, Verstand und einem Humor, der auch über sich selbst lachen kann. Das ist genug, denn das ist ganz schön viel.

 

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen

Pfarrer Achim Gerber