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16. Januar 2022 – 2. Sonntag nach Epiphanias

Das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit aber ist durch Jesus Christus geworden.                     Johannes 1,17

Gnade und Wahrheit verstehen wir oft als Gegensatz. Sind wir gut drauf, barmherzig und gnädig gestimmt, dann nehmen wir es nicht so genau und drücken ein Auge zu. Oder aber es regiert eine gnadenlose, harte und unmenschliche Wahrheit. Da wird dann ganz genau hingeschaut, wie mit einer Lupe. Nichts soll übersehen werden.
So oder so. Beides kennen, praktizieren und erfahren wir.

Max Frisch sagte einmal: „Man sollte dem anderen die Wahrheit wie einen Mantel hinhalten, in den er hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren hauen.“ Wie wohltuend ist ein wärmender und schützender Mantel – und wie weh tut nicht ein nasses Handtuch, das einem um die Ohren gehauen wird! So oder so. Beides vergisst man nicht, das Angenehme nicht und das Schmerzhafte gleich zweimal nicht.

Von Jesus wird folgende Geschichte erzählt (siehe Joh. 8): Pharisäer und Schriftgelehrte, also die Vertreter des Gesetzes, brachten eine Frau zu Jesus. Nicht irgendeine, sondern eine Frau, die in flagranti beim Ehebruch erwischt worden war. Wäre es nach dem damals gültigen Gesetz des Mose gegangen, dann wäre sie gesteinigt worden. Gnadenlos wäre dem Gesetz Genüge getan worden. Doch Jesus stellt sich unerwarteter Weise vor die Frau und schützt sie vor den Vertretern des Gesetzes. Gnade pur. Aber doch nicht so, dass Jesus das Gesetz durchstreichen würde. Wahres bleibt wahr. Sünde bleibt Sünde. Doch Jesus vergibt der Frau und entlässt sie mit den Worten: „Geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“

 

Eine gesegnete Woche wünscht

Ihr Pfarrer Achim Gerber