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18. September - 14. Sonntag nach Trinitatis

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.                                                                              Psalm 103,2

Ende September beginnen wir zu realisieren, dass der Sommer sich zum unweigerlichen Ende neigt. Die Gartenmöbel werden langsam hereingeholt, Pflanzen abgedeckt, nach der Funktionsfähigkeit der Heizung geschaut oder das Brennholz vorbereitet, um der dunklen und kalten Jahreszeit gut vorbereitet begegnen zu können. Es hat oft etwas von der Beendigung eines Lebensabschnittes. Wenn Kinder Erwachsene werden und aus der Schulzeit die Lehr- oder Studienzeit wird; wenn Ehen silberne Jubiläen begehen oder Trennungen unausweichlich werden; wenn Großeltern auf den letzten Lebensabschnitt zugehen und Pflege ein wichtiges Thema wird. Trauer macht sich breit und Veränderungen bestimmen den Alltag. Oft sehnen wir uns zurück und erkennen, dass der Stress von heute die gute alte Zeit von morgen ist. Spätestens im mittleren Lebensabschnitt kommen viele zur gefühlten Erkenntnis, dass die Zeit immer schneller rast. Das beherrschende Gefühl ist, dass immer mehr verloren geht, dass das Leben leerer und trüber wird und die goldenen Jahre bald vorbei sein werden. Der Sommer wird zum Herbst, und wir geben uns nur zögerlich hinein in diesen Wechsel. Wir schauen öfter sehnsüchtig zurück als erwartungsvoll nach vorne. Die sonnigen Tage, das Grillen auf dem Balkon, das Verweilen auf der Terrasse, der Sommerurlaub und die blühende Natur ziehen unsere Blicke mehr an als der vor uns liegende Herbst mit der Zeitumstellung und den dunklen Tagen, mit Regen und Schnee, wenn alles grau in grau erscheint. Unser Blick sieht den Verlust. Aber was war der Sommer eigentlich? Füllte die Sonne nicht unser Herz und die Ernte nicht die Scheunen? Ist die Entwicklung der Kinder zu Erwachsenen, ist der Abschnitt einer Ehe oder Partnerschaft und ist der Lebensabend der Großeltern nicht auch gefüllte Zeit? Hat unsere Lebenszeit zu Verlusten geführt oder gab es auch den Gewinn? Wir wenden den Blick so, dass wir den Reichtum an Begegnungen und die Menge an Erlebnissen als einen guten Schatz an Erfahrungen spüren können, denn diese Zusage gilt uns: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

 

Ein gesegnetes Wochenende und eine gute Woche wünscht Ihnen

Pfarrer Achim Gerber