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19. Sonntag nach Trinitatis – 18. Oktober 2020 – 42. Kalenderwoche

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.

Jeremia 17,14

 

Er ist bekannt, der blinde Bettler am Wegesrand. Da sitzt er. Hat schlechte Karten, auf dem Arbeitsmarkt und auch sonst. Dazu kommt die Unsicherheit vieler, wie sollen sie mit ihm umgehen? Andere fragen sich gar im Blick auf seine Blindheit, ob und wofür das wohl die Strafe Gottes sei? Nein, sie fragen nicht ihn, sie fragen sich selbst das. Im Stillen. Ihn anzusprechen, dazu gehörte Überwindung. Und so sitzt er da, die anderen gehen vorbei.

– „Kann denn keiner etwas ändern? Gott vielleicht? Oder Jesus?“

– „Ach, der hat doch anderes zu tun. Nimm du dich doch nicht so wichtig.“

– „Aber das ist doch meine Chance! DIE Chance. Wenn ich jetzt nicht

dranbleib’, auf was will ich dann noch hoffen? – Heile du mich, Herr!

Hilf du mir!“

Wie viele Kranke, Erschöpfte, Sterbende das wohl so sagen?

Und wie viele derer, die das sprechen, glauben das auch? Dass es die Möglichkeit gibt, dass sich wirklich etwas verändert? Oder geschieht das eher nach dem Motto „Schaden kann es ja nicht“. Die Chancen stehen vielleicht 50 zu 50: Er heilt mich – er heilt mich nicht – er heilt mich – …

 

Bartimäus glaubt das. Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. Und deshalb ruft er laut zu Jesus, lässt sich nicht abwimmeln von den vielen anderen: „Erbarme dich meiner, Jesus!“

Jesus hört ihn, ruft ihn zu sich.

Und Bartimäus? Der lässt alle Sicherheiten fahren, wirft den Mantel von sich, springt auf und kommt zu Jesus.

– „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“

– „Dass ich sehend werde!“

So einfach – da ist es ausgesprochen.

 

Bartimäus muss nicht lange überlegen. Er weiß, was er will.

Und er hat eine Wahnsinnserwartung. Er ist gewiss, dass Gott ihm helfen, ihn heilen kann.

Beides zusammen führt zum Ziel: zu wissen, wohin ich unterwegs bin, und der Glaube daran, dass ich es nicht aus eigener Kraft schaffen muss. Denn: Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.

 

Ein gesegnetes Wochenende und eine gute Woche wünscht

Pfarrer Achim Gerber