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Ewigkeitssonntag – 22. November 2020 – 47. Kalenderwoche

 

 

 

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.

Lukas 12,35

 

 

 

Unser Blick als Christinnen und Christen richtet sich in den weiten Horizont der Ewigkeit Gottes. Wir vertrauen darauf, auch jenseits unserer menschlichen Grenzen von Christus geliebt und getragen zu sein. Diejenigen, die das irdische Leben verlassen haben, wissen wir im Horizont der Ewigkeit geborgen. Unsere Toten tragen wir im Herzen und geben ihnen einen Platz im Leben. Verbindungen bleiben erhalten. An der Osterkerze als Symbol der Auferstehung entzünden wir Lichter als Zeichen dafür, dass unsere Verstorbenen unter uns lebendig sind. Ihr Lebenslicht brennt bei Gott und in unserem Herzen weiter. 

Im Angesicht von Abschied und Tod hören wir den Ruf, wachen Auges durchs Leben zu gehen. Jeden Tag im Bewusstsein, dass dies auch für uns „der letzte Tag des übrigen Lebens“ ist, ein Tag in der Fülle seiner Möglichkeiten im Hier und Jetzt. Mein erster Augenblick nach dem Erwachen: Dies ist der Tag! Die tastenden Schritte durch die Wohnung, erste kleine Gesten und Handlungen, ein „Guten Morgen“ an die Mitmenschen – bereit, in ihnen die Fülle der Gegenwart Christi zu erkennen. Meine Wege aus dem Haus, zur Arbeit, zum Gottesdienst, in Gespräch und Austausch über Banalitäten oder Tiefgreifendes: offen für das, was aus der Ewigkeit in meine Zeitlichkeit hineinleuchtet, offen für Begegnungen, in denen das Überzeitliche aufblitzen kann. 

Was hält mein Leben zusammen? Wie atme ich, mit diesem Gurt oder Gürtel um meine Lenden, der mein Leben zusammenhält, damit ich immer neu in den weiten Raum hineingehe, der vor mir liegt? Damit mein Lebenslicht brennt und genährt wird von dem, der ihm Luft und Kraft gibt? 

Je mehr die Welt aus den Fugen gerät, je häufiger ich Menschen ohne Halt und Orientierung begegne, umso dankbarer bin ich für einfache Weisungen, wie sie in diesem Vers liegen. Sie erinnern mich daran, meine Augen auf das Wesentliche zu richten. 

 

Ein gesegnetes Wochenende und eine gute Woche wünscht

Pfarrer Achim Gerber