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5. Sonntag nach Trinitatis – 12. Juli 2020 – 28. Kalenderwoche

 

 

Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.                                                             Epheser 2, 8

 

 

 

 

Sommerurlaub in Kapstadt. Es ist Anfang Januar, die Temperaturen nähern sich 40 Grad. Die Region wird von der schlimmsten Trockenheit seit mehr als 100 Jahren heimgesucht. Wassermangel. Nein, Wassernotstand.

Vom Meer, von der frischen Brise weg ins Landesinnere, westlich von Kapstadt, nördlich von Hermanus, liegt Genadendal, das Tal der Gnade. Herrnhuter Missionare haben die Missionsstation 1737 gegründet. 1995 hat Nelson Mandela als Präsident Südafrikas Genadendal besucht. So angetan war er von diesem Ort und dem christlichen Geist, den er dort fand, dass er seine Residenz in Kapstadt in Genadendal umbenannte. 

Genadendal liegt am Riviersonderend, am „Fluss ohne Ende“, Wasser ist hier also kein Problem. Tatsächlich ist es grün in dem Ort, trotz der Dürre. Im Ortskern, umgeben von alten Häusern aus dem späten 18. und 19. Jahrhundert, steht die große Kirche, die der in Herrnhut ähnelt. Auch eine kirchliche Schule ist in der Nähe. Die alte Missionsstation ist kein Museum, sondern quicklebendig – Heimat für die jetzt Afrikaans sprechenden Nachfahren der Khoi und San, die hier seit Jahrhunderten leben und noch immer zur Moravian Church, wie die Herrnhuter hier heißen, gehören.

Alten Gebäude sind zu sehen … und zu hören ist … rauschendes Wasser! Ganz am Ende des Häuserblocks steht eine Wassermühle aus dem Jahr 1791. Sie funktioniert noch. Kleine Kanäle führen das Wasser zur Mühle. Bei der Hitze eine Wohltat. Dem Besucher kommen biblischen Assoziationen hoch: Rast, Ruhe, Erquickung, Quelle, Gnade. Passend der Name des Ortes, der abseits der Touristenströme liegt: Tal der Gnade – ein Ort des Glaubens, an dem Gottes Gnade sichtbar und lebendig wird: im vertrauten Raum der Kirche, im lebendigen Glauben der Gemeinde und nicht zuletzt am kühlen Wasser der Mühlenbäche. Dankbarkeit stellt sich beim Besucher ein. Für diesen Ort, für Gottes Gegenwart hier, für seine Gnade – nicht aus dem Menschen kommt das, sondern Gottes Gabe ist es.

 

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen

Pfarrer Achim Gerber